«Diese Aussage weisen wir mit Vehemenz zurück»

  27.03.2025 Brennpunkt

In Altersfragen fehle es dem Möhliner Gemeinderat am politischen Willen, sagt der Präsident von «Senioren für Senioren» vor 240 Mitgliedern. Der Gemeinderat widerspricht und kritisiert seinerseits: An der Versammlung seien Altersfragen gegen andere Themen ausgespielt worden.

Ronny Wittenwiler

Die Mitgliederversammlung des Vereins Senioren für Senioren (SfS) von letzter Woche klingt nach. Es geht dabei um die Kritik von Präsident Ruedi Hasler: «Uns dünkt, punkto Altersfragen fehlt es der Gemeinde am politischen Willen. Das ist schade.» Der Gemeinderat lässt das nun nicht unwidersprochen stehen. «Diese Aussage weisen wir mit Vehemenz zurück», sagt Gemeindeammann Markus Fäs. «Das Thema Altersfragen und die Bedeutung dieses Themas für unsere Gesellschaft sind dem Gemeinderat überaus bewusst. Aber es ist in Gottes Namen nicht das einzige wichtige Thema, mit dem sich der Gemeinderat zu beschäftigen hat. Und es ist ein Thema, das jetzt schon und in Zukunft noch mehr Ressourcen beanspruchen wird.»

Der Vorwurf des fehlenden Willens für ein Erkennen und Umsetzen nötiger Massnahmen ist nicht die einzige Aussage, die im Nachgang zur Seniorenversammlung für Irritation bei der Exekutive gesorgt hat.

Der Vergleich
Rückblende: SfS-Präsident Hasler informierte die Versammlung, dass man beim Gemeinderat einen Antrag für die Einführung einer Fachstelle für Altersfragen und einer Alterskommission gestellt habe (die NFZ berichtete). «Der Gemeinde fehlt eine

verantwortliche Person, die für die Initiative und Umsetzung von notwendigen Altersprojekten zuständig ist», findet Hasler. Denn: Bei den jüngsten grösseren Altersprojekten in der Gemeinde sei die Initiative meist aus dem Verein heraus ergriffen worden und für die Umsetzung hätte man gleich selbst zuständig sein sollen. «Unsere personellen Ressourcen sind erschöpft. Wir können nicht noch zusätzliche Aufgaben übernehmen.» Soweit, so gut.

Direkt im Anschluss an diese Worte stellte der Seniorenpräsident einen Vergleich mit der Jugendarbeit an – worauf der Gemeindeammann am anderen Tag am Rande einer anderen Veranstaltung prompt angesprochen wurde. Hasler sagte Folgendes: «Bei der Jugendarbeit setzt die Gemeinde jährlich rund eine Viertelmillion Franken ein, damit die Betreuer bezahlt werden können. Und von uns wird erwartet, dass wir das als Freiwilligenarbeit machen. Wir werden auch unterstützt von der Gemeinde, das sind die 7500 Franken für die Miete unserer Lokalitäten auf Schallen. Dafür sind wir auch dankbar. Aber wenn wir das mit der Jugendarbeit vergleichen und was dort investiert wird, dann ist das eine gewisse Diskrepanz.»

Es ist ein Vergleich, der dem Gemeinderat missfällt. Dass man nicht das Gesamtbild betrachten, sondern isoliert und prioritär das Thema «Altersfragen» behandelt haben möchte, bedaure er sehr, sagt Gemeindeammann Markus Fäs. Ein Stück weit könne er das verstehen, immerhin sei Hasler Präsident von Senioren für Senioren. «Was für mich aber nicht geht, ist das Ausspielen des Themas Altersfragen gegen andere Themen, zum Beispiel die Jugendarbeit, was Ruedi Hasler an der Mitgliederversammlung gemacht hat. Das dient einer sachlichen Auseinandersetzung überhaupt nicht.»

Die Absenzen
Hasler selbst drückte an der Mitgliederversammlung sein Bedauern aus, dass der Gemeinderat nicht anwesend war. Es hätte ihn interessiert, wie sich die Gemeindevertreter zu seinen Ausführungen äussern würden. Markus Fäs sagt auf Anfrage: «Normalerweise sind der Gemeindeammann, also ich, und der Ressortleiter des Bereichs Soziales, Hans Metzger, an der Mitgliederversammlung von ‹Senioren für Senioren› anwesend. Unglücklicherweise hatten wir beide dieses Jahr noch andere Verpf lichtungen, so dass wir nicht präsent sein konnten. Umso bedauerlicher ist es, dass ausgerechnet an dieser Mitgliederversammlung vom Präsidenten gewisse Voten gefallen sind. Ich oder Hans Metzger hätten selbstverständlich reagiert.»

Der Antrag
Und was ist mit dem gestellten Antrag auf Einführung einer Fachstelle für Altersfragen und einer Alterskommission? SfS-Präsident Hasler sagte an der Mitgliederversammlung von letzter Woche: «Wir erwarten nichts Definitives. Aber wir erwarten einen Grundsatzentscheid des Gemeinderates in der ersten Jahreshälfte 2025.» Sobald Konkretes auf dem Tisch liege, werde man informieren, sagt Gemeindeammann Fäs. «Ob bis Jahresmitte bereits ein Grundsatzentscheid gefällt werden kann, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Wir möchten das Thema definitiv nicht auf die lange Bank schieben, aber Hüftschüsse, die wir dann aufwändig nachkorrigieren müssen, können und wollen wir uns nicht leisten.»


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