«Es ist ein grosses Geschenk»

  05.11.2023 Wirtschaft

Die Nachfolgeregelung bereitet vielen Unternehmen grosse Sorgen. Nicht bei der Ackermann Immobilien AG. Bei der Firma, die heuer ihr 25-Jahre-Jubiläum feiert, ist die nächste Generation längst mit an Bord. Adrian und Nino Ackermann führen den Betrieb gemeinsam.

Susanne Hörth

«Nein, es ist keine Selbstverständlichkeit. Umso glücklicher sind wir, dass es bei uns passt.» Adrian Ackermann blickt bei diesen Worten seinen Sohn Nino an. Seit sieben Jahren ziehen Vater und Sohn auch geschäftlich an einem Strick und führen gemeinsam die Ackermann Immobilien AG. Mit seinen 59 Jahren steht Adrian Ackermann noch aktiv im Geschäftsleben, möchte dies auch noch lange tun. Gleichwohl beruhigt ihn das Wissen um eine geregelte Nachfolge mit Sohn Nino sehr. Nein, geht dieser auf die Frage ein, ob für ihn von Kindsbeinen an der spätere Berufsweg definiert gewesen sei. «Du darfst, Du musst aber nicht.» Dieses Wissen gab dem jungen Mann die nötige Entscheidungsfreiheit. Sich für den Einstieg im Familienbetrieb und damit einhergehend für eine berufliche Ausbildung in der Immobilienbranche entschieden zu haben, sei der richtige Weg gewesen. «Teil unserer Firma zu sein, ermöglicht mir Freiraum und laufend neue Entwicklungsmöglichkeiten», bringt es der junge Ackermann, der über einen Bachelor in Business Communications verfügt und sich zurzeit an der HWZ zum Master in Real Estate Management ausbildet, auf den Punkt. « Es ist ein grosses Geschenk», fügt Adrian Ackermann an.

Das 25-Jahre-Firmenjubiläum
Die Ackermann Immobilien AG gibt es heuer 25 Jahre. Adrian Ackermann war zum Zeitpunkt der Gründung seines Geschäftes nur wenige Jahre älter als sein heute 30-jähriger Sohn Nino. «Ich träumte schon als junger Mann von der Selbstständigkeit, wollte mein eigener Chef sein.» Als er dann vor 25 Jahren die Möglichkeit bekam, als Geschäftsleiter und Aktionär einzusteigen – «packte ich die Chance». Bereut habe er es nie, so der Immobilienfachmann. Auf die Entwicklung seiner Firma angesprochen, führt er an: «Wir bauten schon bald nebst der Bewirtschaftung von Immobilien, neu die Geschäftsfelder Bewertung und Vermarktung auf. Heute gehören diese zwei Geschäftsfelder zum festen Bestandteil unserer Leistungspalette und sind massgebliche Umsatzposten.» Zum Einzugsgebiet der Ackermann Immobilien AG gehören der ganze Kanton Aargau, im Speziellen die Region Baden/Brugg sowie natürlich das Fricktal. Wie Sohn Nino, ist auch Adrian Ackermann in Kaisten aufgewachsen, lebt hier nach wie vor mit Ehefrau Karin. Den engen Bezug zur Region, die damit einhergehende gute Vernetzung sind für alle drei Familienmitglieder – seit 2010 arbeitet auch Karin Ackermann im Unternehmen mit – sehr wichtig. Um sich erfolgreich am Markt behaupten zu können, brauche es nicht zwingend viele Mitarbeitende. «Was uns sicher auszeichnet, ist die gute Ausbildung aller in unserem Team», hält dazu Adrian Ackermann fest.

NFZ: Adrian Ackermann, was ist Ihrer Meinung nach die stärkste Veränderung in der Immobilienbranche in den vergangenen 25 Jahren?
Adrian Ackermann: Ganz klar die Digitalisierung. Die Abläufe sind heute viel effizienter. Weil die Preise praktisch nur nach oben gingen, sind in der Vermarktung viele neue Player entstanden, seröse und weniger seriöse. Der Berufsverband SVIT hat darauf reagiert und diverse Fachkammern gegründet. Unsere Firma ist nebst Mitglied im SVIT auch Mitglied der Fachkammern Vermarktung und Bewertung.

Es wird unglaublich viel gebaut. Besteht die Gefahr von Übersättigung?
Adrian Ackermann:
Da freie Mietwohnungen eher knapp sind, sehe ich dies in unserem Einzugsgebiet der Region Baden/Brugg und Fricktal nicht. Im Verkauf von Bestandsund Neubauimmobilien hat sich hingegen der Vermarktungsaufwand aufgrund des Zinsanstiegs erhöht.
Nino Ackermann: Speziell in Frick erleben wir aktuell eine hohe regionale Bautätigkeit, was zeigt, wie attraktiv dieser Standort ist. Schweizweit zeigen sich regionale Unterschiede. Schauen wir uns die nationalen Entwicklungen an, so zeichnet sich eine rückläufige Bautätigkeit ab. Inwiefern sich der prophezeite Wohnungsmangel bestätigt, ist schwierig abzuschätzen. Der Mietwohnungsmarkt ist unter Druck, wobei beim Wohneigentum mit den gestiegenen Finanzierungskosten in Verbindung mit einem eher limitierten Wohnangebot weniger Unruhe herrscht.

Die Mietpreise steigen. Wie oft werdet Ihr mit dieser Aussage konfrontiert? Kann man als Immobilienmakler in irgendeiner Form auch Einfluss auf Miet- und Kaufpreise nehmen?
Adrian Ackermann:
Grundsätzlich gilt Angebot und Nachfrage. Solange die Bevölkerung wächst, werden sich die Preise kaum nach unten bewegen. Als Bewerter und Vermarkter sind wir laufend mit Miet- und Verkehrswertberechnungen beschäftigt, wobei die aktuelle Marktsituation möglichst genau abgebildet wird. Die Angebotspreise werden zusammen mit den Investoren, Verkäufern und Banken festgelegt.
Nino Ackermann: Das höre ich viel. Meine Antwort: Alle Preise steigen, so auch jene von Mietwohnungen. Durch die in der Schweiz verfolgte Zinspolitik stiegen nicht nur die Finanzierungskosten beim Eigenheim; auch der Referenzzinssatz, welcher als Mietzinsgrundlage für rund die Hälfte aller Mietverhältnisse in der Schweiz fungiert, wurde im Juni dieses Jahres vom Bundesamt für Wohnungswesen (BWO), um 0.25 Prozentpunkte nach oben korrigiert. Dies nach einem klaren Abwärtstrend seit der Einführung im Jahr 2008. Ich gehe davon aus, dass es infolge der hartnäckigen Inflation, der tiefen Bautätigkeit, steigender Preise in der Baubranche und den Tendenzen in Richtung Mietwohnungsknappheit es zu einem weiteren Mietzinsanstieg führen wird.

Bei Euch ist die Nachfolgelösung geregelt. Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft?
Adrian Ackermann:
Wir führen die Firma Seite an Seite, es macht unheimlich Spass mit Nino und unserem jungen Team, welche alle immobilienspezifisch sehr gut ausgebildet sind, in die Zukunft zu gehen.
Nino Ackermann: Wir wollen am Zahn der Zeit bleiben. Auch bei der Digitalisierung.

Vater und Sohn: Wir wünschen uns, dass es die Firma auch noch in 35 Jahren gibt.


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